Lee in San Francisco

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März 04, 2007

Pedalen in der Wueste

Anfang Jahr habe ich ja ein Rennvelo gepostet - das primaere Ziel war damit an einer Velorundfahrt im Death Valley teil zu nehmen (natuerlich fahr ich das Velo auch sonst mal und ich bin erstaunt, wie gut mir das Asphaltradeln gefaellt!). Der grosse Tag rueckte also naeher und so fuhren wir am Donnerstag dem 1. Maerz so um 4uhr los und kaempften uns erst mal ein bisschen durch den Stau. Die Fahrt von San Francisco nach Death Valley dauert doch ca 9h (also mal schnell nach Spanien und zurueck uebers Wochenende…) – so fuhren wir am Donnerstag einfach mal so weit wie wir kamen - und das war irgendwo auf dem Highway 5. Dies ist die lange, gerade Autobahn die bis nach LA fuehrt. Man faehrt da durch eine nicht endende Ebene, zum Teil stehen Kuehe dichtgedraengt und stinkend an der Strasse entlang, zum Teil hat es riesige Felder mit bluehenden, und fein duftenden Obstbaeumen (die fand ich dann etwas attraktiver...). Auf der Strasse eine nichtendende Lastwagenlinie – zum Glueck hat die Strasse 2 Spuren, so dass man die Brummis easy ueberholen kann. Weil zwischen der Bay Area und LA auf dieser Strecke nicht viele spannende Staedte liegen, hat es am Highway so PitStops wo ca 8 Fastfood Laeden, 4 Tankstellen und 3 Motels um Kundschaft buhlen. An so einem Ort haben wir unser Auto dann vis a vis von 20 Lastwagen geparkt und die Nacht in einem heimeligen Motel 6 verbracht - so ein bisschen wie im Film…


Am Freitag fuhren wir dann weiter bis ins Death Valley. Wir gingen noch ein paar Sachen anschauen - so zum Beispiel die "Salzwueste" bei Bad Water - anscheinend kam da ein Pionier mit seinem Eseli vorbei und er war voellig enttaeuscht als der Esel das spaerliche Wasser verweigerte. Da sagte er das Wasser sei "Bad". Naja, ich kann's dem Esel nicht uebel nehmen, das Wasser ist salziger als Meereswasser... Badwater liegt uebrigens wie auf dem Schild ersichtlich 85m unter Meeresspiegel (der tiefste Punkt auf diesem Kontinent ueberhaupt).




Meine ersten und wohl auch letzten Versuche als Bond-Girl...


Wir machten auch noch einen kurzen Walk in einem Canyon, wo wir zu einem grossen Steinbogen kamen



Das schoenste am Death Valley ist aber einfach die Landschaft mit den vielen verschiedenen Farbtoenen der Gebirge und Duenen und der unberuehrten Weite. Wir hatten aber sowieso nicht viel Zeit für Sightseeing – wir assen noch ein dickes, staerkendes Znacht, legten 100 Sachen fuer den naechsten Tag bereit und gingen dann bei Vollmondschein frueh schlafen.

Am Samstag um 5 Uhr war tagwach. Ab ins Renndress und noch einen gruesligen Energy-shake runterwuergen und dann ging’s schon bald los. Etienne, der ja 320km machte, fuhr eine halbe Stunde frueher los. Die Fahrer der 170km Tour - zu denen auch ich zaehlte - gingen dann gestaffelt ab 6:30 auf die Piste. Am Anfang war es noch etwas muehsam weil so viele aufs mal los radelten. Aber das Feld verteilte sich immer mehr und so konnt ich dann die meiste Zeit friedlich mit meinem Tempo vor mich hin pedalen. Die Fahrt war sehr schoen und auf der ganzen Strecke gab es genau ein Stopp Schild und eine Abzweigung. Es hatte auch kaum Autos und so war es einfach sehr friedlich. Verteilt auf der Strecke hatte es 4 Verpflegungsposten mit verschiedensten Angeboten (von Erdnussbutter Broten, ueber Oreo Cookies zu Mueslibars), aber ich hab jeweils nur eine halbe Banane genommen und noch einen Staengel gegessen. Ich hatte Angst dass mein Bauch sonst keine Freude hat. Ich glaub das war eine gute Idee, ich hatte auf der ganzen Strecke weder Hunger noch das Gefühl, dass mir die Energie fehlt. Das ganze lief fuer mich erstaunlich problemlos – ich hatte weder einen Energiezusammenbruch, noch einen Anschisser - davon hatte ich fast am meisten Angst, dass es mir dann einfach mal stinkt mit dem ganzen Geradle. Es hat mir auch (fast) nichts weh getan und meine Radel rollte brav vor sich hin, und dass obwohl so gegen 11 Uhr (genau als ich die Richtung wechselte) ein unglaublicher Wind (natuerlich Gegenwind, ist ja klar) aufkam. Der fegte einfach so das Tal hinunter welches ich (und 300 andere Teilnehmer) hochradeln musste - und das fuer die letzten 80km! Gewisse Radler haben extrem gelitten und kamen kaum mehr vom Fleck. Es war auch ein wirklich gemeiner Wind so dass man sogar beim runter Fahren noch wild pedalen musste. Ich hab mich aber dann mal damit abgefunden und einfach einen leichteren Gang eingelegt und bin an einigen Leidenden vorbei geflitzt. Das hat natuerlich grad noch ein bisschen mehr motiviert und die letzten 10 km konnt ich nochmals so richtig Gas geben und noch ein bisserl schneller gehen. Ich hatte echt Freude, dass es so gut geklappt hat und war schon auch ein bisschen stolz auf meine Leistung, und dass ich meine erste Century ride (105Milen) so schmerzlos ueberstanden habe.

Etienne (ganz rechst) bevor es los ging:





Also ich schon geduscht hatte, etliche diverse, nicht zusammen passende Snacks und Drinks intus hatte und gemuetlich vor dem TV sass, kam dann Etienne nach nicht ganz 14h von seinen 320km zurueck. Bohh, wenn ich denke dass ich nach meiner Ankunft grad nochmals die gleiche Strecke haette fahren muessen, tja, lieber nicht... Aber stolz war ich natuerlich auch auf ihn!

Am naechsten Morgen stuermten wir dann das Zmorgen Buffet und danach nahmen wir den langen Weg zurueck nach San Francisco in Angriff - aber zum Glueck mit 4 Raedern und ein paar extra PS...