Lee in San Francisco

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April 04, 2006

Einmal um die Insel

Dann war es endlich so weit: die Arbeit liessen wir so gut als moeglich hinter uns und in unserem gemieteten Combi (tja, ist nicht mehr wie frueher als wir das billigste Auto mieten mussten) machten wir uns auf zu unserem Abenteuer. Hier die Reiseroute, ganz einfach: gestarted wurde in Christchurch, dann im Uhrzeigersinn um die Insel.



Wenn man durch die Suedinsel Neuseelands faehrt, dann ist man nie alleine. Fast ueberall schauen einem kauenden Schafe zu (die sind wirklich Non-Stop am fressen und glotzen). Die Schaefchen kommen in allen Variationen: wollige und blutte, Persil-weisse und solche die braun vor Dreck sind, mit schwarzen Koepflis oder ganz rum schwarz, mit Deckelis (!! ja, gewisse Bauern moegen ihre Schafe und ziehen ihnen Maenteli an) oder einfach ganz normale Schafe. Auch nach den 2 Wochen haben wir die Schoefli immer noch gemocht und gesagt "ui, lueg det, das isch aes haerzigs Schoefli". Die sind halt irgendwie so gemuetlich, fast ein bisschen wie die menschlichen Bewohner Neuseelands. Also hier grad mal ein Bild, das die herbstliche Schaf-Landschaft praegte.



Wir fuhren von Christchurch etwas nach Sueden und stachen dann nach Westen ins Landesinnere. Unser Ziel war der Mount Cook, der hoechste Berg der Southern Alps, wie die Bergkette genannt wird - Alps, da kommen doch grad Heimatsgefuehle auf. Der Weg fuehrte uns in die bergige Zentralregion der Insel, vorbei an praechtigen Seen. Die Landschaft mit ihrer unglaublichen Weite hat uns von Anfang an fasziniert.



Der Lake Tekapo hat glasklares Wasser und lud zum Baden ein - noenoe, nicht mit mir. Ist mir eine Runde zu kalt fuer so Gspaesse - ist ja schon Herbst. Schoen wars dort trotzdem.



An einem besonders tuerkis blauen See (Lake Pukaki) biegt man dann ab Richtung Norden und faehrt ein Tal entlang Richtung Mount Cook Village. Innerhalb einer halben Stunde kamen wir aus dem Sonnenschein in ein brodelndes, nebliges Donnerwetter. Die Stimmung war sehr eindruecklich, den Mount Cook bekamen wir aber nie zu sehen!



Wir hofften auf besseres Wetter am Morgen, doch damit wurde nichts. So machten wir uns ohne Sicht auf den Berg wieder aus dem Tal des Regens, der Sonne entgegen. Wir wurden mit unzaehligen Regenboegen belohnt - auch mit solchen die sich brav mit 55 biegen:



Wir machten einen kurzen Abstecher zu den Clay Cliffs. Diese sind inmitten von eher flachem Land, nichts Aehnliches rundrum und dann einfach so ein Huegel voll roetlicher Pinnacles. Wirr. So sieht es etwa aus:



Wir kraxelten dann durch die kleinen Canyons ein bisschen in die Hoehe, wo wir eine schoene Aussicht hatten. Das waren aber natuerlich keine Wege und der Grund war ziemlich sandig und rutschig - erst Oben merkten wir wie steil wir eigentlich hoch gestiegen sind. Ich sah schon die Blickschlagzeilen vor mir "Schweizer Lee B. (32) und Etienne S. (31) aus B. verunglueckten aufgrund von Dummheit"... Naja, war dann halb so wild und wir schafften es wieder runter auf den festen, horizontalen Grund.



Von hier aus fuhren wir wieder nach Osten, zurueck ans Meer. Ich wollte unbedingt die lustigen Boellen (so benannt durch Freunde von uns), an der Kueste noerdlich von Duniden, sehen. Diese runden Steine entstanden aus einem kleinen Muschelkern, um welchen sich unter kraeftig viel Druck ueber Jahrmillionen Ablagerungen versteinerten. Diese Moeraki Boulder spielen eine wichtige Rolle in der Kultur der Maori: eine Geschichte besagt, dass dies die versteinerten Esskoerbe eines Kanus seien, welches zuvor die Maori nach Neuseeland gebracht hatte.
Die runden Steine sind eindruecklich und irgendwie etwas mystisch.
Nachdem wir dieses Foto aufnahmen hab ich gelesen, dass ignoranten Touristen bitte nicht auf die Steine stehen sollen - ui, hab immernoch ein schlechtes Gewissen dass ich da die Maori Koerbe entehrt und in Gefahr gebracht habe... aber das Foti gefaellt mir halt trotzdem.





Nach einer angenehmen Uebernachtungen in einem Viktorianischem Bed & Breakfast in Duniden, fuhren wir durch hundert verschiedene Wetter um den suedlichen Teil der Insel: das Wetter wechselte wirklich im Minutentakt und sobald ich sagte "Wenigstens regnet es nicht!" kam auch schon der Gussregen. Auch wenn das Wetter nicht immer sonnig klar war, so erlebten wir doch unglaubliche Stimmungen und Himmel, die bedrohlich und auch faszinierend wirkten.



Am Ende des Tages machten wir noch eine Reise durch die Unterwelt. Wir gingen durch ein Hoehlensystem, welches Kraxeln, Klettern, Wasserloecher Ueberspringen und Kopfeinziehen verlangte. Am Anfang war mir doch eher mulmig zumute: 1 Sunde Dunkelheit lag vor uns, niemand wusste dass wir da unten sind und wie alt sind nun die Batterien in der Stirnlampe schon wieder??? Bald waren diese Gedanken aber verflogen; die Durchquerung forderte zum Teil einiges an Geschick und die Formationen in der Hoehle waren genuegend Ablenkung.
Bei den Bildern muss man beachten, dass ohne Blitz nur die kleine Stirnlampe (auf tiefster Leuchtkraft eingestellt aus Angst vor Batterie-Tot) sichtbar war - die Bilder waren also so ziemlich ein Schuss ins Blaue (oder eigentlich Schwarze).





Noch ein bisschen Abendstimmung am Lake Manapouri bevor wir in Te Anau uebernachteten.



Am naechsten Tag fuhren wir den weiten Weg zum Milford Sound. Das Fiordland nimmt den Sued-Westlichen Zipfel der Insel ein. Es ist stark zerklueftet und es hat nicht viele Strassen die das Gebiet durchqueren. Eine Maori Legende besagt, dass ein Gott die Fiorde mit einer Axt eingeschlagen habe. Die haben aber keine Ahnung, die Maori: Milford Sound ist eigentlich kein Sound sondern ein Fjord. Die Fiorde entstanden durch viel Druck unter Gletschern waehrend den Eiszeiten. Als dann all das Wasser schmolz stieg der Meeresspiegel und fuellte die so entstandenen Taeler - waehrend Sounds durch das einfressen von Flussbetten entstehen. Naja, trotz dem falschen Namen ist die Gegend gewaltig. Die Fahrt war sehr schoen mit gruenem, dichten Regenwald wo das Auge hinsah. Auf Milford Sound machten wir dann eine Nacht-Cruise auf einem Schiff. Natuerlich regnete es immer mal wieder, aber hier ist das auch erlaubt: es regnet ueber 700mm Regen pro Jahr! Wir fuhren mit unserem Nachtschiff durch die Meeresarme, umzingelt von Felswaenden die bis zu 1700 Meter hoch gehen. Man kommt sich da schon sehr klein vor! Ueberall hat es Wasserfaelle: nach einem Regentag (also eigentlich fast immer) gibt es im Milford Sound ueber 700 Wasserfaelle.



Wir legten in einer ruhigen Bucht Anker und durften noch ein bisschen mit dem Kajak die Gegend erkunden.



Die Kombuese war zwar klein, aber mit Doppelbett und wir schliefen praechtig in der absoluten Stille des Fjords. Am morgen frueh war dann eine unglaublich Stimmung: das Wasser war spiegelglatt und die Nebelschwaden hiengen in den Felsen.





Auf dem Rueckweg von den Milford Sounds machten wir uns zum ersten mal auf eine greossere Wanderung: nichts riesiges, aber umso eindruecklicher. Der Regenwald war ueberwachsen von Moosen, Farnen, Baumfarnen und sonstigem Gruenzeug.



Ok, es ist Regenwald und entsprechend nass und neblig, aber der sehr natur belassene Weg liess uns trotzdem ins Schwitzen kommen und ich hatte auch nicht kalt (was bei mir ja schon eher eine Seltenheit ist). Unser Ziel war dieser vernebelte See in voelliger Einsamkeit und Natur - dachten wir, bis wir dort oben auf ein ToiToi WC inklusive WC Papier stiessen!



Wir fuhren dann weiter Richtung Norden, streiften rasch die sehr touristische Stadt Queenstown und die schoenen See um Wanaka, mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Das Wetter wechselte staendig und wir starteten Wanderungen im Sonnenschein und wurden 30 Minuten spaeter schon wieder verregnet.
Nach den Seen gings nach Westen nach Haast und an die tasmanische See. Das Meer war wild und gfuerchig, ein Mann sagte uns "she's angry" - ja, so sah es aus. Und so faszinierte es uns auch.





An der suedlichen Westkueste gibt es viel, viel Regenwald, weniger Schafe und noch weniger Doerfer und Menschen. Wir fuhren nach Sueden bis zum Ende der Strasse wo wir in einem Dorf auf ein Bed & Breakfast hofften: ein normaler Punkt auf der Strassenkarte, aber da war nur eine handvoll Haeuser, eine einzige Familie die dort permanent wohnt, und ein offener Fish und Chips Laden. So mussten wir umkehren und uns wo anders fuer ein Nachtlager umsehen.
Danach ging es an der Kueste nach Norden, wo wir beim Fox Glacier und beim Franz Josef Glacier kleinere, dem Wetter angepasste Wanderungen unternahmen. Die Gletscher bewegen sich sehr schnell vorwaerts: bis zu 5 Meter pro Tag! Dabei wird oben neue Gletschermasse angeheangt und durch den Druck die ganze Gletschermasse nach unten verschoben. Spannend bei diesen Gletschern ist, dass sie so tief liegen, schon fast auf Meereshoehe. Daher sind sie nicht von kargen Felswaenden umgeben wie in der Schweiz, sondern von Regenwald. Hier auf dem Bild sieht man im Hintergrund den Franz Josef Gletscher.





Weiter ging es durch die Hochburgen der Jade-Schmuck Herstellerei, durch grosse Hirschfarmen und vorbei an alten Goldschuerfer-Doerfern Richtung Norden. Auf dem Weg schauten wir uns die Pancake Rocks an (Punakaiki): Felsen die aus Schichten von staerkeren und weniger starken Gesteinen bestehen, wobei die weniger starke Schicht vom Meer ausgewaschen wird. Das sieht dann noch ganz witzig aus - Und dahinter das Meer, welches immernoch etwas "angry" war.





Bevor wir die Westkueste verliessen goennten wir uns noch ein bisschen mehr wildes Meer und einen Besuch bei einer stinkenden Seehund Kolonie.





Eine netter Abendstimmung auf dem Weg Richtung Osten.



Im Abel Tasman Nationalpark nahmen wir am naechsten Morgen ein Wassertaxi zu einer super schoenen Bucht: weisser Sandstrand, Sonne und tuerkis Wasser. Das war doch schon mehr nach meinem Geschmack. Wir machten eine schoene Wanderung durch Regenwald, ueber Huegel, ueber Bruecken und Straende.







Am naechsten Tag gings weiter zu den Marlborough Sounds (dies sind nun wirklich Sounds), in das Staedchen Picton.



Das Staedchen war sehr touristisch, aber grad recht fuer ein bisschen Schopping und einen gemuetlichen Tag bei nicht so gemuetlichem Wetter. Am naechsten Tag gabs dann wieder Sonne und eine Kajak-Tagestour durch die Malborough Sounds. Dies war eine schoene Abwechslung und wir sahen sogar Pinguine im Wasser (ok, man sah grad mal die Koepfchen, aber die Idee zaehlt ja).





Unser letzter Tag naeherte sich schon. Wir wurden von einem schoenen Voll-Mondaufgang begleitet, waehrend wir an der Ostkuest Richtung Sueden nach Kaikoura fuhren.



Am letzten Morgen hiess es um 5 Uhr aufstehen, aber diesmal stand ich gerne auf. An diesem Morgen zwaengten wir uns naemlich in dicke Neoprenanzuege und fuhren in der Frueh raus aufs Meer. Bald schon endeckten wir die Objekte unserer Begierde und wir machten uns bereit fuer das Eintauchen in das kalte Meer. So sahen wir etwa aus:



Und zu denen wollten wir:



Wo die herkamen gab es noch ganz, ganz viele (ca. 400 Stueck) und sie huepften aktiv durch die Luft (und dass in dieser Herrgottsfruehe!).







Das Wasser war zwar saukalt, aber nachdem der erste Delfin (sind uebrigens Dusky Delfine) an mir vorbei geschwummen ist, war das schnell vergessen. Die Crew sagte uns, dass die Delfine es moegen, wenn man durch die Schnorchel singt. Das klang da draussen auf dem Meer ja schon gspaessig, aber das war allen egal - ich glaub den Delfinen auch. Die brauchten eigentlich nicht viel Motivation: sie schwammen im Kreis um einen rum und wollten, dass man ein bisschen abtaucht, so dass sie noch mehr um einen rum schwimmen konnten. Diese voellig wilden Tiere waren an dem Morgen gut aufgelegt und amuesierten sich koestlich und ausgiebig mit den dummen Touris. Ich konnt es kaum fassen, von wie nahe (kaum einen Meter) die einen beaeugten. Das war gleich auch mal eine Gelegenheit mein Unterwassergehaeuse fuer die Digicam zu testen. Ich sag euch, die Fotos sind ohne Zoom aufgenommen und ich bekam dennoch kaum den Kopf bis zur Brustflosse auf das Bild, so nahe waren die! Leider hat mein Hirnli durch die vielen Hormone voellig vergessen, dass die Kamera auch Videofunktion hat - das waer wohl noch etwas eindruecklicher gewesen... Naja, war halt trotz allem sehr frueh.





Dies war wirklich ein einmaligs Morgenerlebnis und ein perfekter Abschluss fuer unsere Ferien (wenn ich nicht durch meine Glueckshormone verwirrt in der naechsten Stunde sowohl NorthFace Regenjacke und Okley Sonnenbrille verloren haette... tja, man kann halt nicht alles haben).

Hier noch ein Bild von Kaikora: Das ist also das Meer mit Schneebergen dahinter, nicht irgend ein Bergsee. Sehr ungewohnt.



Diese Bilder haben wir bei einem unserer 2 freien Tage waehrend der Arbeit gemacht: da wollten wir schon mal mit den Delfinen schwimmen gehen, die waren aber schon ausgebucht...





Dann noch ein paar Bildlis von der Vogelwelt. Der Pukeko laeuft ueberall rum. Er mag es etwas sumpfig und ist etwa so gross wie ein Huhn, aber viel schoener mit den blauen Federn und dem roten Schnabel (ubbs, moechte da aber keine Huehnerliebhaber beleidigen, die sind auch haerzig...).



Der Kea ist ein Bergpapagei und seeehr frech. Er kennt kein Pardon und greift auch mal einen Touristen an, wenn der kein Futter raus rueckt. Seine Lieblingsbeschaeftigung ist Gummidichtung von den Fenstern des Autos raus zu knabbern. Das steht schon so im Fuehrer und wir dachten "jaja, da war da mal das eine Mal als der Kea auf das Autodach sprang...". Aber nein, kaum auf dem Parkplatz am falschen Ort zur falschen Zeit und man hat da einen Kea auf dem Dach und ein paar Ecken fehlen da auch schon in dem Gummi - tja, ist ja nur ein Mietauto... Die Japaner im Auto nebenan fuhren mit den 2 Voegeln auf dem Dach davon; die liessen sich kaum davon stoeren (ich mein da die Voegel - die Japaner fuchtelten wild im Auto um sich).



Hier noch ein Voegeli von dem ich den Namen vergessen hab (ihr meint nur zu glauben dass wir doch urspruenglich Biologen sind). Von der Ferne dachten wir, dass es ein Pinguin sei - erst beim Anpirschen merkten wir die Verwechslung. Nett sah er auch als nicht-Pinguin aus.



Allgemein scheint Neuseelands Tier (und vorallem Vogel) Welt nicht sehr scheu zu sein. Man merkt, dass die Tiere bis vor Kurzem keine natuerlichen Feinde hatten. Darum konnten es sich auch so viele einheimische Voegel leisten, flugunfaehig zu werden. Erst mit dem Einfuehren des Marders (und auch des Hundes) kam die ganze Sache ins Wanken: der Marder ist ja bekannt fuer die Blutbaeder, die er anrichten kann - man stell sich da mal vor was fuer ein Fest mit all den Tieren, die nicht mal davon fliegen/rennen! Daher haben wir auch keinen Kiwi gesehen, die hat es naemlich am haertesten getroffen und sie sind sehr selten. Nein halt, noch haerter hat es den andern Papageien getroffen, der der nicht fliegen kann, ein riesiges Territorium sein eigenes nennt (so dass die Weibchen lange Strecken zu Fuss gehen muessen um zum Maennchen zu finden) und sich nur etwa alle 7 Jahre (wenn der eine Baum viel Fruechte traegt), vermehrt. Zu all dem Uebel verbreitet der auf dem Boden lebende Papagei noch einen suesslichen Duft den man (und Marder) von weitem wahrnehmen kann und seine Verteidigungstaktik ist Still-Stehen.

1 Comments:

  • wow, super foeteli! der reisebericht toent auch sehr spannend, einzig das wetter erinnert mich irgendwie stark an unseren kiwi-trip. aber ueber kurze zeit vermag man sicher die motivation trotz regen aufrecht zu halten (bei uns wurde die "wir lassen uns doch nicht von miesem wetter einschraenken"-stimmung auch erst durch die lungenfellentzuendung etwas getruebt).

    By Blogger rahel luethy, at 00:07  

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